So baust du eine starke Arbeitgebermarke mit Sascha Bergmann von Bergmann Elektrosysteme | E22

Wie gewinnt ein Elektrobetrieb mit 18 Mitarbeitern regelmäßig fünf bis zwölf Bewerbungen pro Woche – ohne Printanzeigen, ohne Headhunter? Sascha Bergmann, Gründer von Bergmann Elektrosysteme in Bahlingen, hat seinen Weg zur Arbeitgebermarke im Handwerk konsequent über Social Media und gelebte Unternehmenswerte aufgebaut. Im Gespräch mit Philipp Christ gibt er offen Auskunft: über sein Marketingbudget, seinen Führungsfehler, den er heute nicht mehr machen würde, und warum Authentizität mehr zieht als jedes Benefit-Paket. Wer im Handwerk als Arbeitgeber sichtbar werden will und wissen möchte, wie das in der Praxis tatsächlich aussieht, sollte diese Episode nicht verpassen.

Das Wichtigste in Kürze

Arbeitgebermarke im Handwerk – warum Sichtbarkeit kein Zufall ist

Eine funktionierende Arbeitgebermarke im Handwerk entsteht nicht automatisch. Sascha Bergmann, Gründer und Geschäftsführer von Bergmann Elektrosysteme in Bahlingen, hat das früh verstanden: Wer als Unternehmer nicht sichtbar ist, kann nicht erwarten, dass Bewerber von alleine anklopfen. Seine Schlussfolgerung war konsequent – weg von Printanzeigen, hin zu Social Media als primärem Recruiting-Kanal. Heute investiert er über 100.000 Euro jährlich in Marketing und Mitarbeitergewinnung und erzielt damit zwischen fünf und zwölf Bewerbungen pro Woche, branchenübergreifend für Monteure, Büroprofile und sein Social-Media-Team.

Social Media als Recruiting-Instrument – was wirklich funktioniert

Bergmann setzt auf einen klaren Content-Mix: tägliche Kurzvideos aus dem Unternehmensalltag, Baustellenbegleitung, Tagesabschlüsse und Storytelling über den Weg vom Ein-Mann-Betrieb zu einem Unternehmen mit eigenem Firmensitz. Die Mischung ist dabei entscheidend, nicht ein einzelnes Format. Ergänzt wird die organische Reichweite durch bezahlte Werbekampagnen über Meta. Wichtig ist laut Bergmann: Ein Video hochzuladen und zu hoffen reicht nicht. Es braucht Klarheit darüber, welche Inhalte die Zielgruppe ansprechen und welche Formulierungen tatsächlich Bewerbungsanreize setzen.

Unternehmenswerte und Benefits als Grundlage der Mitarbeitergewinnung

Sichtbarkeit allein reicht nicht. Bergmann hat mit seinem Team gemeinsam Unternehmenswerte erarbeitet – Verlässlichkeit, Fairness, Wertschätzung und Ehrlichkeit stehen dabei im Mittelpunkt. Alle Mitarbeitenden unterzeichnen diese Werte nach der Probezeit. Diese Verbindlichkeit schafft nach innen Klarheit und nach außen ein erkennbares Profil für Bewerber. Bei den Benefits legt Bergmann Wert auf Substanz statt Symbolik: bezahlte Fahrtzeiten, Firmenfahrzeuge, neues Werkzeug der Marken Hilti und Bosch, ein Zuschuss zur betrieblichen Altersvorsorge von rund 150 Euro monatlich sowie ein Fitnessraum am neuen Firmensitz. Dazu kommen anonyme, digitale Mitarbeiterzufriedenheitsumfragen alle zwei bis drei Monate und kurze, strukturierte Teambesprechungen, in denen Verbesserungspotenziale offen angesprochen werden.

Vom operativen Geschäft zur Unternehmerrolle – ein notwendiger Schritt

Ein weiteres Thema des Gesprächs ist die Entwicklung vom handwerklich tätigen Gründer zum strategisch denkenden Unternehmer. Bergmann beschreibt den Moment, in dem er erkannte, dass er die operative Kontrolle abgeben musste, um als Unternehmen weiter wachsen zu können. Ein offenes Gespräch mit seinem Projektleiter war der Wendepunkt. Seither verantwortet er ausschließlich Strategie, Kennzahlen und Außenwirkung, während das operative Tagesgeschäft in anderen Händen liegt. Als zentralen Führungsfehler benennt er das Vordiktieren von Lösungswegen: Heute gibt er Ziele vor, die Ausführung überlässt er seinen Mitarbeitenden.

Liquidität, Kennzahlen und die Empfehlung für andere Betriebe

Bergmann führt seine Liquiditätstabelle zweimal täglich, überblickt Zahlungseingänge, Verbindlichkeiten und den Kontostand aller Bankverbindungen in Echtzeit. Für ihn ist das keine Frage der Unternehmensgröße, sondern eine Grundvoraussetzung. Sein abschließender Rat an andere Handwerksunternehmer: Zahlen im Griff behalten, sich als Arbeitgeber offen und authentisch zeigen, Werte klar kommunizieren und nicht versuchen, jemand anderes zu sein. Authentizität – auch im Dialekt – ist für ihn kein Nachteil, sondern ein Erkennungsmerkmal.

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