Was passiert, wenn volle Auftragsbücher nicht mehr reichen – weil Strom, Material, Löhne und Mobilität immer teurer werden? In dieser Folge spricht Philipp Christ mit Dr. Kerim Ben Hamida, Energieökonom und Wirtschaftswissenschaftler an der Hochschule Heilbronn. Seit rund 15 Jahren beschäftigt er sich mit Energiewirtschaft, Strommärkten und der Frage, wie Unternehmen in einem volatilen Energiesystem handlungsfähig bleiben.
Im Gespräch wird schnell klar: Energie ist für Handwerksbetriebe kein Nebenthema mehr. Wer Strom- und Gaskosten nur nebenbei laufen lässt, riskiert unnötige Ausgaben – und im schlimmsten Fall eine schleichende Schieflage.
Dr. Kerim Ben Hamida zeigt, welche einfachen Schritte Betriebe sofort prüfen können, warum der falsche Tarif teuer werden kann und weshalb Themen wie PV-Anlage, Speicher, Wärmepumpe oder E-Mobilität strategisch immer wichtiger werden.
Das Wichtigste in Kürze
Energie ist kein Nebenthema mehr
Viele Handwerksbetriebe konzentrieren sich verständlicherweise auf Baustellen, Kunden, Mitarbeiter und Material. Energie läuft oft einfach mit.
Genau darin liegt das Risiko.
Denn steigende Strom- und Gaskosten wirken nicht immer sofort dramatisch. Sie schleichen sich in die Kalkulation, drücken auf die Marge und werden häufig erst bei der Jahresabrechnung richtig sichtbar.
Der erste Blick sollte auf den Vertrag gehen
Ein wichtiger Tipp aus dem Gespräch: Strom- und Gasverträge aktiv prüfen.
Besonders kritisch wird es, wenn Betriebe noch in der Grundversorgung, einem Basistarif oder einem ungünstigen Standardvertrag stecken. Oft reicht schon ein Anruf beim Versorger oder ein Tarifvergleich, um erste Einsparungen zu erzielen.
Das klingt banal – wird in der Praxis aber häufig vergessen.
Drei Zahlen, die jeder Betrieb kennen sollte
Dr. Ben Hamida empfiehlt, regelmäßig auf die eigenen Energiedaten zu schauen.
Wichtig sind vor allem:
- monatlicher Strom- und Gasverbrauch
- Preis pro Kilowattstunde
- Grundgebühr im Verhältnis zum Verbrauch
Wer diese Zahlen kennt, erkennt schneller, ob etwas aus dem Ruder läuft – und kann handeln, bevor die Nachzahlung weh tut.
PV, Speicher und Wärmepumpe strategisch denken
Nicht jede Investition passt zu jedem Betrieb. Aber gerade Handwerksbetriebe können oft Vorleistungen selbst erbringen und dadurch Kosten senken.
Ob PV-Anlage, Speicher, Wärmepumpe oder Split-Geräte: Entscheidend ist, die Wirtschaftlichkeit realistisch zu prüfen. Besonders spannend wird es dort, wo Eigenstrom den Betrieb unabhängiger macht und langfristig Kosten stabilisiert.
Energie wird Teil der Wettbewerbsfähigkei
Steigende Energiekosten lassen sich nicht immer einfach an Kunden weitergeben. Wer zu teuer wird, verliert im Zweifel an Wettbewerbsfähigkeit.
Deshalb wird Energiebeschaffung für Betriebe immer strategischer. Es geht nicht mehr nur darum, Strom einzukaufen – sondern darum, Kosten, Versorgungssicherheit und Zukunftsfähigkeit zusammenzudenken.
Links & Ressourcen
- 👤 Dr. Kerim Ben Hamida auf LinkedIn: www.linkedin.com/in/dr-kerim-ben-hamida
- 📰 Wirtschaftsdienst – Erneuerbare Energien verändern die industrielle Produktion grundlegend: https://www.wirtschaftsdienst.eu/inhalt/jahr/2025/heft/12/beitrag/erneuerbare-energien-veraendern-die-industrielle-produktion-grundlegend.html
- 📊 Creditreform – Wirtschaftslage und Finanzierung im Handwerk 2025/26: https://www.creditreform.de/aktuelles-wissen/pressemeldungen-fachbeitraege/news-details/show/wirtschaftslage-und-finanzierung-im-handwerk-2025-26
- 🏛️ Bundesregierung – Niedrigere Netzentgelte und Stromsteuersenkung für Unternehmen ab 2026: https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/niedrigere-netzentgelte-2382396
- Website von Energy Affairs (Strategische Beratung in Energiefragen): https://www.energyaffairs.eu/