Wer im Elektrohandwerk plant, verdient damit kein Geld – und trotzdem kommt kein Betrieb ohne Planung aus. Jonathan Busse, Mitgründer von JETPLAN, hat genau dieses Problem zum Ausgangspunkt eines Startups gemacht. Im Gespräch erklärt er, warum klassische Elektroplanung Software für das Handwerk strukturell ungeeignet ist, was eine wirklich praxistaugliche Lösung leisten muss – und warum er das Elektrohandwerk als einen der größten Gewinner der nächsten Jahre sieht. Eine Episode für alle, die weniger Zeit mit Verwaltung und mehr Zeit mit dem verbringen wollen, was sie wirklich können.
Das Wichtigste in Kürze
Elektroplanung Software im Handwerk: Warum der Markt eine Lücke hatte
Lange Zeit gab es keine Elektroplanung Software, die wirklich auf die Anforderungen des Handwerks zugeschnitten war. Das ist die Ausgangsbeobachtung, mit der Jonathan Busse, Mitgründer von JETPLAN, in diesem Gespräch startet. Bestehende Lösungen sind überwiegend CAD-Systeme, die für Fachplaner und Ingenieurbüros entwickelt wurden – also für Personen, die täglich mit Planung ihr Geld verdienen und bereit sind, komplexe Software zu erlernen. Ein Elektroinstallationsbetrieb hat ein grundlegend anderes Nutzungsprofil: Geplant wird nur sporadisch, das eigentliche Kerngeschäft ist die handwerkliche Ausführung. Wer nur alle paar Monate einen Plan erstellt, kann und will keine aufwendige Schulung absolvieren. Das Werkzeug muss sofort funktionieren.
Drei Pfeiler: einfach, schnell, mobil
Aus dieser Analyse leitet Jonathan Busse die Produktphilosophie von JETPLAN ab. Erstens muss die Software einfach sein – ohne Handbuch, ohne Einarbeitung. Zweitens muss sie schnell zum Ergebnis führen, denn Planungszeit ist im Handwerk unbezahlte Zeit. Wer keinen Plan abrechnen kann, aber trotzdem einen braucht, um ein Angebot zu stellen oder Verbindlichkeit ins Projekt zu bringen, ist auf Effizienz angewiesen. Drittens muss sie mobil sein: Änderungswünsche entstehen nicht am Schreibtisch, sondern auf der Baustelle, im Auto oder im Gespräch mit dem Bauherrn per Videotelefonie. Eine Lösung, die nur am Desktop funktioniert, bildet diesen Alltag nicht ab.
Von der Planung zur Stückliste – wie JETPLAN doppelte Arbeit vermeidet
Ein zentraler Mehrwert von JETPLAN liegt in der automatischen Verknüpfung von Plan und Stückliste. Wer Komponenten auf dem Plan platziert, dokumentiert gleichzeitig, was gebraucht wird und wo. Daraus generiert JETPLAN automatisch eine exportierbare Stückliste – zunächst als Excel-Datei, die sich universell weiterverwenden lässt. Das erspart das manuelle Auszählen von Symbolen und reduziert Fehler in der Materialplanung und Angebotserstellung erheblich. Geplant ist, künftig weitere Schnittstellen zu gängigen Branchenlösungen anzubieten, um auch den Übergabeschritt zwischen Planung und Einkauf oder Kalkulation weiter zu vereinfachen.
Digitalisierung als Entlastung des Inhabers
Ein oft übersehener Vorteil der Digitalisierung im Elektrohandwerk ist die Entlastung der Führungsebene. In vielen Betrieben ist genau eine Person – häufig der Inhaber selbst – in der Lage, mit der vorhandenen Planungssoftware umzugehen. Das bedeutet: Jede Änderung, jeder Kundenwunsch läuft über einen einzigen Schreibtisch. Mit einer intuitiven, mobilen Lösung können auch Mitarbeiter im Feld Änderungen direkt dokumentieren, ohne dass der Chef eingreifen muss. Das schafft Prozesse, die skalieren – und gibt dem Inhaber Zeit für das, was wirklich Wertschöpfung bringt.
Zukunft des Elektrohandwerks: strukturelle Rückenwind-Faktoren
Jonathan Busse sieht die Elektroinstallationsbranche langfristig als eine der Gewinnerinnen aktueller Megatrends. Die Dekarbonisierung der Gesellschaft – Stichwort Wärmepumpen, Photovoltaik, E-Mobilität – erfordert dezentrale Installationen, die in ihrer Projektgröße dem Handwerk entsprechen. Künstliche Intelligenz wird nach seiner Einschätzung nicht die handwerkliche Kernleistung ersetzen, sondern die administrativen Prozesse darum herum effizienter machen. Das Ergebnis: höhere Margen bei gleichbleibender oder besserer Arbeitsqualität. Wer heute in die Digitalisierung seines Betriebs investiert, positioniert sich für diesen Wandel.