Ein Leistungsverzeichnis (LV) ist eine strukturierte Aufstellung der Arbeiten, die im Rahmen eines Bau- oder Handwerksprojekts ausgeführt werden sollen. Es beschreibt die einzelnen Leistungen mit ihren Mengen, Einheiten und technischen Anforderungen.
Für Handwerksbetriebe bildet das Leistungsverzeichnis häufig die Grundlage, um den Materialbedarf, die benötigte Arbeitszeit und die Kosten eines Projekts zu ermitteln und darauf aufbauend ein Angebot zu kalkulieren.
Leistungsverzeichnisse werden insbesondere bei größeren Bauvorhaben und Ausschreibungen eingesetzt, beispielsweise für Heizungs- und Sanitärinstallationen oder die Elektroinstallation eines Gebäudes.
Wie ist ein Leistungsverzeichnis aufgebaut?
Ein Leistungsverzeichnis unterteilt die auszuführenden Arbeiten in einzelne Leistungspositionen. Bei umfangreicheren Projekten werden diese zusätzlich in Gewerke, Titel oder Untertitel gegliedert.
Dadurch können die beteiligten Unternehmen nachvollziehen, welche Arbeiten vorgesehen sind und welche Mengen bei der Kalkulation berücksichtigt werden müssen.
Eine typische LV-Position enthält folgende Angaben:
- Positionsnummer: Dient der eindeutigen Zuordnung einer Leistung innerhalb des Leistungsverzeichnisses.
- Leistungsbeschreibung: Beschreibt die auszuführende Arbeit und die dafür geltenden technischen Anforderungen.
- Menge und Einheit: Geben an, in welchem Umfang die Leistung vorgesehen ist, beispielsweise 20 Meter Rohrleitung oder 15 Steckdosen.
- Einheitspreis (EP): Preis für eine einzelne Mengeneinheit der beschriebenen Leistung.
- Gesamtpreis (GP): Ergibt sich durch die Multiplikation der Menge mit dem jeweiligen Einheitspreis.
Bei einer Ausschreibung enthält das Leistungsverzeichnis zunächst häufig noch keine vom anbietenden Handwerksbetrieb eingetragenen Preise. Diese werden im Rahmen der Angebotskalkulation ergänzt.
Beispiel: Leistungsverzeichnis für eine Elektroinstallation
Ein Elektrobetrieb erhält eine Ausschreibung für Installationsarbeiten in einem Bürogebäude.
Das Leistungsverzeichnis enthält unter anderem Positionen für die Lieferung und Montage von Installationskanälen sowie die Installation von Steckdosen.
Ein vereinfachter Ausschnitt könnte folgendermaßen aussehen:
| Pos. | Leistungsbeschreibung | Menge | EP | GP |
|---|---|---|---|---|
| 01.01 | Installationskanal aus Kunststoff, 40 × 60 mm, einschließlich Befestigungsmaterial liefern und montieren | 12 m | 25,00 € | 300,00 € |
| 01.02 | Schutzkontakt-Steckdose in Aufputzausführung liefern, montieren und anschließen | 8 St. | 68,00 € | 544,00 € |
| Gesamtsumme netto | 844,00 € | |||
Ein Elektrobetrieb erhält eine Ausschreibung für Installationsarbeiten in einem Bürogebäude.
Die angegebenen Preise sind fiktiv und dienen ausschließlich der Veranschaulichung. Das Beispiel zeigt nur einen kleinen Ausschnitt eines Leistungsverzeichnisses und stellt keine vollständige technische Leistungsbeschreibung dar.
Anhand der einzelnen Positionen erkennt der Elektrobetrieb, welche Arbeiten und Mengen für das Projekt vorgesehen sind.
Bei der Kalkulation muss er prüfen, welche Materialien benötigt werden, wie viel Arbeitszeit erforderlich ist und welche weiteren Kosten bei der Ausführung entstehen.
Die Einheitspreise werden auf Grundlage der betrieblichen Kalkulation ermittelt. Durch Multiplikation mit den angegebenen Mengen ergeben sich die Gesamtpreise der einzelnen Positionen.
Die Summe aller bepreisten Positionen bildet den Gesamtbetrag des Leistungsverzeichnisses.
Worauf sollten Handwerksbetriebe bei einem Leistungsverzeichnis achten?
Ein Leistungsverzeichnis sollte die vorgesehenen Arbeiten so genau beschreiben, dass sich der Leistungsumfang nachvollziehen und zuverlässig kalkulieren lässt.
Vor der Angebotsabgabe sind insbesondere folgende Punkte zu prüfen:
Sind die Leistungen eindeutig beschrieben?
Eine Position mit der Bezeichnung „Heizungsrohrleitung montieren“ lässt viele Fragen offen.
Für eine nachvollziehbare Kalkulation können beispielsweise Angaben zum Rohrmaterial, zum Durchmesser, zur vorgesehenen Verlegeart und zu den erforderlichen Befestigungen notwendig sein.
Auch die Frage, ob das Material vom Auftraggeber bereitgestellt oder vom Handwerksbetrieb geliefert werden soll, muss geklärt sein.
Sind die Mengen und Einheiten nachvollziehbar?
Die angegebene Menge beeinflusst den Gesamtpreis einer Position unmittelbar.
Deshalb sollte geprüft werden, ob die Mengenangaben zu den vorhandenen Plänen und dem beschriebenen Leistungsumfang passen.
Ebenso ist darauf zu achten, ob eine Leistung nach Stück, laufenden Metern, Quadratmetern oder einer anderen Einheit abgerechnet werden soll.
Sind die Ausführungsbedingungen berücksichtigt?
Neben den eigentlichen Leistungen beeinflussen auch die Bedingungen auf der Baustelle die Kalkulation.
Dazu können beispielsweise gehören:
- Zugänglichkeit der Arbeitsbereiche
- Montagehöhen
- Platzverhältnisse
- notwendige Abstimmungen mit anderen Gewerken
- besondere Anforderungen an Material oder Ausführung
Sind solche Angaben für die Preisermittlung relevant, sollten sie aus den Ausschreibungsunterlagen hervorgehen oder vor der Angebotsabgabe geklärt werden.
Unklare oder widersprüchliche Angaben können dazu führen, dass Auftraggeber und Handwerksbetrieb von unterschiedlichen Leistungsumfängen ausgehen.
Was ist der Unterschied zwischen Leistungsverzeichnis und Angebot?
Das Leistungsverzeichnis beschreibt, welche Leistungen in welchem Umfang ausgeführt werden sollen.
Das Angebot enthält dagegen die vom Handwerksbetrieb kalkulierten Preise und gegebenenfalls weitere Angebotsbedingungen.
Bei Ausschreibungen erhalten Handwerksbetriebe häufig ein vorgegebenes Leistungsverzeichnis und ergänzen die geforderten Einheitspreise.
Nicht jedes Angebot benötigt jedoch ein umfangreiches Leistungsverzeichnis. Bei kleineren Aufträgen kann eine übersichtliche Beschreibung der angebotenen Arbeiten ausreichend sein.
Leistungsverzeichnis und GAEB: Was ist der Unterschied?
Ein Leistungsverzeichnis beschreibt die auszuführenden Leistungen eines Projekts.
GAEB ist dagegen ein standardisiertes Format für den elektronischen Austausch von Ausschreibungs- und Baudaten.
Ein Leistungsverzeichnis kann beispielsweise als PDF oder als strukturierte GAEB-Datei bereitgestellt werden.
Der Vorteil einer GAEB-Datei besteht darin, dass einzelne Positionen, Mengen und weitere Daten elektronisch übernommen und weiterverarbeitet werden können.
Weitere Informationen finden Sie in unserem Handwerkerlexikon unter GAEB.
Welche Rolle spielt das Leistungsverzeichnis bei der Abrechnung?
Nach der Beauftragung kann das Leistungsverzeichnis auch für die spätere Zuordnung und Abrechnung der ausgeführten Leistungen wichtig sein.
Bei einer Einheitspreisabrechnung werden die tatsächlich ausgeführten Mengen den jeweiligen Positionen zugeordnet.
Die Mengenermittlung erfolgt häufig über ein Aufmaß.
Weicht der tatsächliche Leistungsumfang von den ursprünglich vorgesehenen Arbeiten ab, muss geprüft werden, wie diese Abweichungen vertraglich und abrechnungstechnisch behandelt werden.
Das Leistungsverzeichnis begleitet ein Projekt damit häufig von der Angebotskalkulation bis zur späteren Abrechnung.