Diese Steuerfehler kosten Handwerker jedes Jahr Tausende. Mit Benedikt Rohlmann | E36

Viele Handwerksbetriebe beschäftigen sich erst mit ihrer Steuerlast, wenn der Jahresabschluss fertig ist oder eine Nachzahlung ansteht. Dabei können Fehler in der Buchhaltung, fehlende Steuerplanung oder eine unpassende Rechtsform über Jahre hinweg unnötig Liquidität kosten.

In dieser Podcastfolge spricht Philipp Christ mit Steuerberater Benedikt Rohlmann darüber, welche Steuerfehler er bei Handwerks- und Baubetrieben häufig sieht, wann sich GmbH oder Holding lohnen können und warum Unternehmer ihre voraussichtliche Steuerbelastung frühzeitig kennen sollten.

Steuerfehler im Handwerk: Warum aktuelle Zahlen wichtig sind

Viele steuerliche Probleme entstehen laut Rohlmann nicht durch komplizierte Gestaltungen, sondern im laufenden Betriebsalltag.

Problematisch wird es beispielsweise, wenn Unternehmer erst mit dem Jahresabschluss erfahren, wie hoch ihre tatsächliche Steuerbelastung ausfällt. Wurde die vorhandene Liquidität bereits für Fahrzeuge, Maschinen oder Mitarbeiter verwendet, können spätere Nachzahlungen den Betrieb belasten.

Seine Empfehlung: Umsatz, Gewinn und die voraussichtliche Steuerbelastung sollten bereits während des laufenden Jahres regelmäßig betrachtet werden.

Anzahlungen und Abschlagsrechnungen richtig behandeln

Bei Bau- und Handwerksbetrieben spielen Anzahlungen, Abschlags- und Schlussrechnungen eine wichtige Rolle. 

Gerade bei Projekten, die über mehrere Monate laufen, müssen Leistungsstand und Rechnungen sauber in der Buchhaltung berücksichtigt werden. Andernfalls kann auch die betriebswirtschaftliche Auswertung ein falsches Bild der wirtschaftlichen Situation vermitteln.

Rohlmann nennt außerdem fehlerhaft behandelte Anzahlungen als möglichen Grund dafür, dass unnötig Liquidität gebunden wird. 

Weitere Informationen zur Rechnungsbearbeitung finden Sie auf unserer Seite Angebote und Rechnungen.

Alte Forderungen und Buchungen regelmäßig prüfen

Auch offene Forderungen können über Jahre in der Buchhaltung stehen bleiben, obwohl sie wirtschaftlich kaum noch werthaltig sind. Ähnliches gilt für Maschinen, Fahrzeuge oder andere Wirtschaftsgüter, die möglicherweise längst verkauft oder verschrottet wurden, aber weiterhin in den Unterlagen geführt werden. Rohlmann berichtet in der Folge außerdem davon, dass bei der Prüfung offener Forderungen teilweise bereits wenige Telefonate ausreichen, um überfällige Zahlungen einzuholen. Was offene Posten sind und wie eine OP-Liste funktioniert, erklären wir im Handwerkerlexikon zu offenen Posten.

GmbH oder Einzelunternehmen?

Eine pauschale Gewinnschwelle, ab der sich eine GmbH automatisch lohnt, gibt es laut Benedikt Rohlmann nicht.

Entscheidend ist insbesondere:
Wie viel Geld benötigt der Unternehmer privat und wie viel Gewinn soll im Unternehmen bleiben?

Eine GmbH kann für wachsende Betriebe interessant sein, wenn Gewinne im Unternehmen verbleiben und beispielsweise in Maschinen, Mitarbeiter oder Digitalisierung investiert werden sollen.

Benötigt der Unternehmer dagegen einen großen Teil des Gewinns privat, verändert sich die Rechnung.

Pauschale Aussagen wie „Ab 100.000 Euro Gewinn lohnt sich eine GmbH“ greifen deshalb zu kurz.

Holding: 1,5 Prozent Steuern sind nur ein Teil der Wahrheit

Auch Holdinggesellschaften werden häufig als Steuersparmodell beworben.

Die oft genannten niedrigen Steuersätze beziehen sich jedoch nur auf bestimmte Vorgänge innerhalb einer Unternehmensstruktur. Der Gewinn des operativen Handwerksbetriebs wurde zuvor bereits besteuert.

Interessant kann eine Holding vor allem dann sein, wenn Kapital innerhalb der Unternehmensstruktur verbleiben und weiter investiert werden soll.

Die entscheidende Frage lautet deshalb: Was soll langfristig mit dem erwirtschafteten Geld passieren?

Betriebsnachfolge frühzeitig planen

Auch bei der Nachfolge kann frühzeitige Steuerplanung wichtig sein.

Soll der Betrieb innerhalb der Familie weitergegeben oder später verkauft werden, können Unternehmensstruktur und Betriebsvermögen erhebliche Auswirkungen haben.

Einige Gestaltungen benötigen mehrere Jahre Vorlauf. Wer seinen Handwerksbetrieb in einigen Jahren übertragen oder verkaufen möchte, sollte sich deshalb rechtzeitig mit dem Thema beschäftigen.

Woran erkennt ein Handwerker eine gute Steuerberatung?

Eine wichtige Frage an den Steuerberater lautet laut Rohlmann:

Wie hoch wird meine voraussichtliche Steuerbelastung für das laufende Jahr sein?

Kommt die Antwort erst mit dem Jahresabschluss, fehlt möglicherweise Zeit für eine sinnvolle Liquiditätsplanung.

Auch Rechtsform und Unternehmensstruktur sollten regelmäßig überprüft werden. Gleichzeitig muss der Betrieb selbst dafür sorgen, dass Belege und Informationen rechtzeitig zur Verfügung stehen.

Die zentrale Botschaft der Folge: Steuern sollten nicht erst dann zum Thema werden, wenn eine Nachzahlung auf dem Tisch liegt.

Wer seine Zahlen regelmäßig kennt und wichtige Entscheidungen frühzeitig prüft, kann finanzielle Überraschungen besser vermeiden.

Hinweis: Dieser Beitrag gibt Inhalte und Aussagen aus der Podcastfolge wieder und dient der allgemeinen Information. Er ersetzt keine individuelle steuerliche oder rechtliche Beratung.

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