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Wertschöpfung im Handwerk steigern: 5 Wege mit besserer Kalkulation

Inhaltsverzeichnis

Volle Auftragsbücher bedeuten nicht automatisch, dass ein Handwerksbetrieb wirtschaftlich arbeitet. Entscheidend ist nicht nur, wie viel Umsatz ein Auftrag erzielt, sondern auch, welcher Wert nach Materialeinsatz und Fremdleistungen durch die eigene betriebliche Leistung erwirtschaftet wird.

Genau hier setzt die Wertschöpfung im Handwerk an. Besonders aussagekräftig wird sie, wenn sie auf die produktiven Arbeitsstunden eines Betriebs oder eines einzelnen Auftrags bezogen wird.

Eine saubere Kalkulation und eine konsequente Nachkalkulation helfen dabei, wirtschaftlich attraktive Aufträge zu erkennen, Abweichungen frühzeitig festzustellen und zukünftige Angebote realistischer zu kalkulieren.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Wertschöpfung zeigt vereinfacht, welcher Teil eines Auftrags nach Materialkosten und Fremdleistungen durch die eigene Leistung des Betriebs erwirtschaftet wird.
  • Die Wertschöpfung pro produktiver Stunde macht unterschiedliche Aufträge besser vergleichbar.
  • Aktuelle Materialpreise, realistische Arbeitszeiten und eine konsequente Nachkalkulation sind wichtige Grundlagen für eine belastbare Kalkulation.
  • Wertschöpfung ist nicht mit Gewinn gleichzusetzen.

Was bedeutet Wertschöpfung im Handwerk?

Die handwerkliche Wertschöpfung beschreibt vereinfacht den Wert, den ein Handwerksbetrieb durch seine eigene Leistung erwirtschaftet.

Für die Betrachtung eines einzelnen Auftrags lässt sie sich vereinfacht so darstellen:

Wertschöpfung = Netto-Auftragswert – Materialkosten – Fremdleistungen

Auch in betriebswirtschaftlichen Unternehmensanalysen für das Handwerk wird die handwerkliche Wertschöpfung aus der Handwerksleistung abzüglich Materialeinsatz und Fremdleistungen ermittelt.

Beispiel zur Berechnung der Wertschöpfung

Angenommen, ein Handwerksbetrieb führt einen Auftrag mit einem Netto-Auftragswert von 100.000 Euro aus.

Davon entfallen 55.000 Euro auf Material und weitere 5.000 Euro auf Fremdleistungen.

Die vereinfachte Berechnung lautet:

100.000 € – 55.000 € – 5.000 € = 40.000 € Wertschöpfung

Diese 40.000 Euro sind jedoch nicht automatisch der Gewinn des Auftrags. Aus der Wertschöpfung müssen unter anderem eigene Personalkosten, Fahrzeuge, Miete, Verwaltung, Werkzeuge, Software und weitere betriebliche Kosten getragen werden.

Wie berechnet man die Wertschöpfung pro Arbeitsstunde?

Für Handwerksbetriebe sind produktive und direkt verrechenbare Arbeitsstunden eine begrenzte Ressource. Deshalb ist nicht nur interessant, wie hoch die gesamte Wertschöpfung eines Auftrags ist.

Entscheidend ist auch:

Wie viel Wertschöpfung erwirtschaftet der Betrieb mit jeder produktiven Arbeitsstunde?

Die vereinfachte Formel lautet:

Wertschöpfung pro Stunde = Wertschöpfung ÷ produktive Arbeitsstunden

Bei einer Wertschöpfung von 40.000 Euro und 800 produktiven Arbeitsstunden ergibt sich:

40.000 € ÷ 800 Stunden = 50 € Wertschöpfung pro Stunde

Der Auftrag erzielt damit eine Wertschöpfung von 50 Euro je produktiver Arbeitsstunde.

Auch betriebswirtschaftliche Analysen im Handwerk beziehen die handwerkliche Wertschöpfung auf die direkt verrechenbaren Stunden, um die Produktivität eines Betriebs besser beurteilen zu können.

Wie hoch sollte die Wertschöpfung pro Stunde im Handwerk sein?

Darauf gibt es keine allgemeingültige Antwort.

Ein SHK-Betrieb mit mehreren Fahrzeugen, Lager, Büro und hohem Personalaufwand hat eine andere Kostenstruktur als ein kleiner Elektrobetrieb oder ein spezialisierter Dienstleister.

Jeder Handwerksbetrieb sollte deshalb seine eigene betriebsnotwendige Mindestwertschöpfung pro produktiver Stunde kennen.

Dazu werden vereinfacht die betrieblichen Kosten betrachtet, die über die eigene Arbeitsleistung erwirtschaftet werden müssen. Direkt auftragsbezogene Material- und Fremdleistungskosten werden dabei separat kalkuliert.

Eine vereinfachte Betrachtung kann daher lauten:

Mindestwertschöpfung pro Stunde = zu deckende betriebliche Kosten ÷ produktive, direkt verrechenbare Stunden

Angenommen, ein Betrieb muss über seine produktiven Stunden jährlich 400.000 Euro an relevanten Kosten erwirtschaften und verfügt über 11.500 direkt verrechenbare Stunden:

400.000 € ÷ 11.500 Stunden = 34,78 € pro Stunde

Ein Auftrag mit einer kalkulierten Wertschöpfung von 50 Euro pro produktiver Stunde würde in diesem vereinfachten Beispiel über diesem notwendigen Wert liegen.

Für die tatsächliche Berechnung sollten immer die individuelle Kostenstruktur und die betrieblichen Kennzahlen berücksichtigt werden. Bei Bedarf sollte die Berechnung gemeinsam mit dem Steuerberater oder einer betriebswirtschaftlichen Beratung geprüft werden.

Wertschöpfung ist nicht gleich Gewinn

Dieser Unterschied ist besonders wichtig.

Die Wertschöpfung zeigt vereinfacht, welcher Wert durch die eigene Leistung eines Handwerksbetriebs erwirtschaftet wird, nachdem Material und Fremdleistungen berücksichtigt wurden.

Der Gewinn ergibt sich dagegen erst, nachdem auch die weiteren Kosten des Betriebs berücksichtigt wurden.

Ein Auftrag kann deshalb eine hohe Wertschöpfung erzielen und trotzdem wirtschaftlich schlechter abschneiden als erwartet – beispielsweise wenn deutlich mehr Arbeitsstunden benötigt wurden als ursprünglich kalkuliert.

Genau deshalb sollte die Wertschöpfung immer gemeinsam mit Kosten, Arbeitszeiten, Deckungsbeitrag und Nachkalkulation betrachtet werden.

5 Wege zu mehr Wertschöpfung im Handwerk

1. Mit aktuellen Materialpreisen kalkulieren

Nicht berücksichtigte Preisänderungen können dazu führen, dass ein Auftrag bereits bei der Angebotserstellung zu knapp kalkuliert wird.

Materialpreise, Lieferantenkonditionen, Materialaufschläge, Lohnverrechnungssätze und Zeitwerte sollten deshalb regelmäßig überprüft werden. Je aktueller die
Kalkulationsgrundlage ist, desto realistischer lässt sich beurteilen, welche Wertschöpfung mit einem Auftrag tatsächlich erreichbar ist.

Gerade bei umfangreichen Angeboten können digitale Artikel- und Leistungsdaten dabei helfen, wiederkehrende Positionen einheitlich zu kalkulieren und den manuellen Pflegeaufwand zu reduzieren.

Für branchenspezifische Kalkulationsdaten können Handwerksbetriebe zusätzlich auf etablierte Datenquellen zurückgreifen. Im Elektrohandwerk bietet der ZVEH mit der KFE Kalkulationshilfen mit Leistungspositionen und Zeitwerten.

Für SHK-Betriebe stellt Bürgerle Montagezeiten branchenspezifische Arbeits- und Montagezeiten bereit, die unter anderem im DATANORM-Format verarbeitet werden können.

2. Arbeitszeiten realistisch planen

Neben Materialkosten haben Arbeitszeiten einen erheblichen Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit eines Auftrags.

Wird eine Tätigkeit beispielsweise mit acht Stunden kalkuliert, benötigt in der Praxis aber regelmäßig zwölf Stunden, sinkt die tatsächlich erzielte Wertschöpfung pro Stunde.

Deshalb sollten Betriebe nicht ausschließlich mit theoretischen Zeitansätzen arbeiten. Besonders wertvoll sind Erfahrungswerte aus bereits abgeschlossenen Aufträgen.

Vergleichen Sie regelmäßig:

geplante Arbeitszeit → tatsächlich benötigte Arbeitszeit.

So entstehen mit jedem abgeschlossenen Auftrag bessere Grundlagen für zukünftige Angebote.

Eine digitale Arbeitszeiterfassung kann dabei unterstützen, geleistete Zeiten direkt dem jeweiligen Auftrag zuzuordnen. LC-TOP ermöglicht beispielsweise die Erfassung auftragsbezogener Arbeitszeiten, die anschließend für die Nachkalkulation genutzt werden können.

3. Wertschöpfung pro Stunde vergleichen

Nicht jeder große Auftrag ist automatisch der wirtschaftlich attraktivste.

Ein einfaches Beispiel zeigt den Unterschied:

Auftrag A

Wertschöpfung: 20.000 €
Produktive Arbeitszeit: 500 Stunden

20.000 € ÷ 500 = 40 € pro Stunde

Auftrag B

Wertschöpfung: 15.000 €
Produktive Arbeitszeit: 250 Stunden

15.000 € ÷ 250 = 60 € pro Stunde

Auftrag A erzeugt insgesamt die höhere Wertschöpfung. Bezogen auf die eingesetzte produktive Arbeitszeit erzielt Auftrag B jedoch deutlich mehr Wertschöpfung pro Stunde.

Genau solche Vergleiche helfen dabei, unterschiedliche Aufträge besser einzuschätzen und die vorhandenen personellen Kapazitäten wirtschaftlicher einzusetzen.

Die Kennzahl sollte dabei nicht isoliert betrachtet werden. Projektgröße, Risiko, Auslastung, Kundenbeziehung und strategische Bedeutung eines Auftrags spielen ebenfalls eine Rolle.

4. Rabatte nicht ohne Kalkulation vergeben

Rabatte wirken sich unmittelbar auf die Kalkulation eines Auftrags aus.

Bei einem Netto-Angebot von 100.000 Euro entsprechen fünf Prozent Preisnachlass bereits:

5.000 Euro

Materialkosten, Fremdleistungen und benötigte Arbeitszeit reduzieren sich dadurch jedoch nicht automatisch.

Der wirtschaftliche Spielraum des Auftrags wird entsprechend kleiner.

Bevor ein Rabatt vergeben wird, sollte deshalb geprüft werden, welchen Einfluss dieser auf Wertschöpfung, Deckungsbeitrag und das geplante Auftragsergebnis hat.

Wer bereits bei der Angebotserstellung unterschiedliche Kalkulationsszenarien durchspielt, kann besser beurteilen, welcher Verhandlungsspielraum tatsächlich vorhanden ist.

LC-TOP ermöglicht unter anderem unterschiedliche Materialaufschläge und Lohnverrechnungssätze sowie den Vergleich verschiedener Kalkulationsszenarien mit einem Kalkulationssimulator.

5. Aufträge konsequent nachkalkulieren

Die Vorkalkulation zeigt, wie ein Auftrag wirtschaftlich verlaufen soll.

Die Nachkalkulation zeigt, wie er tatsächlich verlaufen ist.

Genau dieser Vergleich ist entscheidend.

Nach Abschluss oder bereits während eines Projekts sollten insbesondere geplante und tatsächliche Arbeitszeiten, Materialmengen, Einkaufspreise, Fremdleistungen und weitere auftragsbezogene Kosten miteinander verglichen werden.

Benötigt eine bestimmte Tätigkeit regelmäßig mehr Zeit als geplant, sollte diese Erkenntnis in zukünftige Kalkulationen einfließen.

Dasselbe gilt für Materialverbrauch, Preisabweichungen oder wiederkehrende Zusatzleistungen.

Dadurch entsteht ein kontinuierlicher Prozess:

Vorkalkulieren → Auftrag ausführen → Ist-Daten erfassen → nachkalkulieren → Abweichungen analysieren → zukünftige Angebote verbessern

LC-TOP stellt in der Vor- und Nachkalkulation geplante Werte den tatsächlich entstandenen Kosten gegenüber, sodass Abweichungen zum Angebot sichtbar werden können.

Wie Handwerkersoftware die Kalkulation unterstützen kann

Je mehr Aufträge, Mitarbeiter, Artikel und Projekte ein Handwerksbetrieb verwaltet, desto schwieriger wird es, alle für die Kalkulation benötigten Informationen aktuell zu halten.

Eine zentrale Handwerkersoftware kann deshalb dabei helfen, Daten aus verschiedenen Prozessen zusammenzuführen.

Mit LC-TOP lassen sich unter anderem Material, Leistungen und Arbeitszeiten kalkulieren. Zusätzlich können Materialaufschläge und Lohnverrechnungssätze hinterlegt, verschiedene Kalkulationsszenarien geprüft und Preisdateien verschiedener Großhändler über UGL und GAEB verglichen werden.

Der wichtigste Vorteil liegt dabei nicht allein in der eigentlichen Berechnung.

Entscheidend ist, dass Daten aus Angebot, Auftrag, Arbeitszeiterfassung und Nachkalkulation miteinander verbunden werden können. Dadurch lassen sich Erfahrungswerte aus abgeschlossenen Aufträgen für zukünftige Kalkulationen nutzen.

Häufige Fragen zur Wertschöpfung im Handwerk

Was bedeutet Wertschöpfung im Handwerk?

Die Wertschöpfung beschreibt vereinfacht den Wert, den ein Handwerksbetrieb durch seine eigene betriebliche Leistung erwirtschaftet. Für eine auftragsbezogene Betrachtung können vom Netto-Auftragswert Materialkosten und Fremdleistungen abgezogen werden.

 

Wie berechnet man die Wertschöpfung eines Auftrags?

Eine vereinfachte Formel lautet:

Wertschöpfung = Netto-Auftragswert – Materialkosten – Fremdleistungen

Je nach betriebswirtschaftlicher Auswertung können Definition und Berechnungsgrundlage im Detail unterschiedlich abgegrenzt werden.

Was ist die Wertschöpfung pro Arbeitsstunde?

Die Wertschöpfung pro Arbeitsstunde zeigt, wie viel Wertschöpfung mit einer produktiven beziehungsweise direkt verrechenbaren Arbeitsstunde erzielt wird.

Die vereinfachte Formel lautet:

Wertschöpfung pro Stunde = Wertschöpfung ÷ produktive Arbeitsstunden

Ist Wertschöpfung dasselbe wie Gewinn?

Nein. Die Wertschöpfung ist nicht mit dem Gewinn gleichzusetzen. Aus dem erwirtschafteten Wert müssen weitere betriebliche Kosten gedeckt werden. Erst unter Berücksichtigung der gesamten Kostenstruktur lässt sich das tatsächliche wirtschaftliche Ergebnis beurteilen.

Warum ist die Nachkalkulation für die Wertschöpfung wichtig?

Die Nachkalkulation zeigt, ob Materialkosten, Arbeitszeiten und weitere Aufwendungen tatsächlich den Annahmen aus der Vorkalkulation entsprochen haben. Abweichungen liefern wichtige Erfahrungswerte für zukünftige Angebote.

Fazit: Wertschöpfung im Handwerk durch bessere Kalkulation steigern

Ein hoher Umsatz oder volle Auftragsbücher allein sagen noch wenig darüber aus, wie wirtschaftlich ein Handwerksbetrieb tatsächlich arbeitet.

Entscheidend ist, welcher Wert mit Material, Fremdleistungen und den verfügbaren produktiven Arbeitsstunden erwirtschaftet wird.

Die Wertschöpfung pro Stunde kann dabei eine hilfreiche Kennzahl sein, um Aufträge miteinander zu vergleichen und Abweichungen in der Kalkulation sichtbar zu machen.

Aktuelle Materialpreise, realistische Zeitansätze, kontrollierte Rabatte und eine konsequente Vor- und Nachkalkulation schaffen dafür die notwendige Grundlage.

Je besser ein Handwerksbetrieb seine tatsächlichen Kosten und Arbeitszeiten kennt, desto belastbarer können zukünftige Angebote kalkuliert werden.

Mit LC-TOP können Sie Material, Leistungen und Arbeitszeiten zentral kalkulieren, verschiedene Kalkulationswerte vergleichen und auftragsbezogene Daten für die Nachkalkulation weiterverwenden.

Philipp Christ Produktmanager bei LC-TOP

Philipp Christ

PRODUKTMANAGER

Nach seinem Studium im Bereich Wirtschaftsingenieurwesen Elektro- und Informationstechnik, ist Philipp in das Familienunternehmen Locher & Christ eingestiegen. Nun unterstützt er als Produktmanager LC-TOP dabei, Softwarelösungen für das Handwerk effizienter zu gestalten.

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