Stundenverrechnungssatz

Der Stundenverrechnungssatz ist der kalkulierte Preis, den ein Handwerksbetrieb für eine verrechenbare Arbeitsstunde ansetzt. Er berücksichtigt neben den Personalkosten auch die betrieblichen Gemeinkosten und einen Gewinnanteil. Die Höhe richtet sich nach der individuellen Kostenstruktur und den produktiven Arbeitsstunden des Betriebs.

Was ist der Unterschied zwischen Stundenlohn und Stundenverrechnungssatz?

Der Stundenlohn bezeichnet die Vergütung, die ein Mitarbeiter für seine Arbeitsleistung erhält. Der Stundenverrechnungssatz ist dagegen der kalkulierte Preis, den der Handwerksbetrieb für eine Arbeitsstunde gegenüber seinen Kunden ansetzt.

Zwischen beiden Werten liegen weitere Kosten, die der Betrieb tragen muss. Dazu zählen unter anderem Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung, bezahlte Ausfallzeiten, betriebliche Gemeinkosten und der kalkulierte Gewinn.

Der Stundenverrechnungssatz ist deshalb nicht mit dem tatsächlichen Verdienst eines Mitarbeiters oder dem Gewinn des Unternehmens gleichzusetzen.

Welche Kosten müssen im Stundenverrechnungssatz berücksichtigt werden?

Ein wirtschaftlich kalkulierter Stundenverrechnungssatz muss die Kosten abdecken, die der Handwerksbetrieb über seine Arbeitsleistungen erwirtschaften möchte.
Zu den wesentlichen Bestandteilen gehören:

  • Direkte Personalkosten: Bruttolöhne und Gehälter der ausführenden Mitarbeiter
  • Lohnzusatzkosten: Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung sowie weitere lohnabhängige Aufwendungen.
  • Betriebliche Gemeinkosten: Kosten für Verwaltung, Büro, Fahrzeuge, Versicherungen und weitere betriebliche Aufwendungen, soweit diese über die Arbeitsstunden gedeckt werden sollen.
  • Kalkulatorische Kosten: Betriebswirtschaftlich anzusetzende Kosten, die bei der Preisermittlung zusätzlich zu berücksichtigen sein können.
  • Gewinn und Wagnis: Ein kalkulierter Anteil für den angestrebten Unternehmensgewinn und die Absicherung betrieblicher Risiken.

 

Welche Kosten tatsächlich in den Stundenverrechnungssatz einfließen, hängt vom gewählten Kalkulationsverfahren ab. Kosten, die bereits über Materialaufschläge oder andere Kalkulationsbestandteile gedeckt werden, dürfen nicht erneut vollständig über den Stundenverrechnungssatz berücksichtigt werden.

Warum sind produktive Arbeitsstunden für die Berechnung entscheidend?

Bei der Berechnung des Stundenverrechnungssatzes kommt es nicht allein darauf an, wie viele Stunden Mitarbeiter bezahlt werden. Entscheidend ist, wie viele Arbeitsstunden der Betrieb tatsächlich gegenüber seinen Kunden verrechnen kann.
Urlaub, Krankheit, Feiertage und nicht verrechenbare betriebliche Tätigkeiten verringern die verfügbare Arbeitszeit für abrechenbare Leistungen.
Die produktiven beziehungsweise verrechenbaren Arbeitsstunden bilden deshalb eine wesentliche Grundlage für die Verteilung der betrieblichen Kosten.

Je weniger Stunden für die Deckung der Kosten zur Verfügung stehen, desto höher fällt bei ansonsten unveränderten Kosten der erforderliche Stundenverrechnungssatz aus.

Handwerksbetriebe sollten deshalb mit realistischen Arbeitszeitwerten kalkulieren und berücksichtigen, welche Tätigkeiten tatsächlich abgerechnet werden können.

Wie berechnet man den Stundenverrechnungssatz im Handwerk?

Für die Berechnung werden zunächst die relevanten Personal- und Gemeinkosten ermittelt, die über die Arbeitsstunden gedeckt werden sollen.

Diese Kosten werden durch die voraussichtlich verrechenbaren Arbeitsstunden geteilt. Unter Berücksichtigung eines kalkulierten Gewinn- und gegebenenfalls Wagniszuschlags ergibt sich daraus der Netto-Stundenverrechnungssatz.

Vereinfachte Berechnung

Zuzurechnende Personal- und Gemeinkosten

Verrechenbare Arbeitsstunden

= Kostendeckender Stundensatz

+

Gewinn- und gegebenenfalls Wagniszuschlag

= Netto-Stundenverrechnungssatz

Vereinfachte Darstellung. Die genaue Berechnung richtet sich nach der betrieblichen Kostenrechnung und dem gewählten Kalkulationsverfahren.

Eigenen Stundenverrechnungssatz berechnen

Wie hoch muss Ihr Stundensatz sein, damit Ihr Handwerksbetrieb seine Kosten decken kann? Nutzen Sie unseren kostenlosen Stundensatz-Rechner und ermitteln Sie anhand Ihrer betrieblichen Angaben einen individuellen Kalkulationswert.

Wann sollte ein Handwerksbetrieb seinen Stundenverrechnungssatz überprüfen?

Ein einmal berechneter Stundenverrechnungssatz sollte nicht dauerhaft unverändert übernommen werden.
Verändern sich die Personalkosten, die betrieblichen Gemeinkosten oder die Anzahl der verrechenbaren Arbeitsstunden, kann eine neue Kalkulation erforderlich sein.
Auch eine veränderte Auslastung oder zusätzliche betriebliche Aufwendungen können Einfluss darauf haben, welcher Stundensatz für eine kostendeckende Auftragsbearbeitung benötigt wird.
Deshalb sollten Handwerksbetriebe ihre Kalkulationsgrundlagen regelmäßig mit den tatsächlichen Kosten und Arbeitszeiten abgleichen.
Die Nachkalkulation abgeschlossener Aufträge kann dabei helfen, Abweichungen zwischen geplanten und tatsächlich angefallenen Kosten zu erkennen und die zukünftige Preisermittlung anzupassen.

Wie unterstützt LC-TOP bei der Kalkulation von Arbeitsleistungen?

Mit LC-TOP können Handwerksbetriebe Material, Leistungen und Arbeitszeiten kalkulieren. Für die Bearbeitung von Aufträgen und Projekten lassen sich unterschiedliche Materialaufschläge und Lohnverrechnungssätze hinterlegen.

Erfasste Positionen können gruppiert und mit den zugehörigen Aufschlägen und Verrechnungssätzen in weiteren Projekten verwendet werden.

Zusätzlich ermöglicht der Kalkulationssimulator, unterschiedliche Kalkulationsszenarien zu prüfen und deren Auswirkungen auf die Preisermittlung zu vergleichen.

Weitere Informationen zu diesen Funktionen finden Sie auf unserer Seite zur Kalkulationssoftware für Handwerksbetriebe.

Weiterführende Informationen

Weitere Informationen zur Zusammensetzung und betriebswirtschaftlichen Berechnung des Stundenverrechnungssatzes finden Sie bei der Handwerkskammer Konstanz.

Weitere Begriffe

GAEB

GAEB ermöglicht den standardisierten Austausch von Leistungsverzeichnissen und Ausschreibungsdaten zwischen den Beteiligten eines Bauprojekts.

Stundenverrechnungssatz

Der Stundenverrechnungssatz ist der kalkulierte Preis einer Arbeitsstunde. Er berücksichtigt Personalkosten, betriebliche Gemeinkosten und Gewinn.

Gemeinkosten

Gemeinkosten sind betriebliche Kosten, die keinem einzelnen Auftrag direkt zugeordnet werden können, etwa Miete und Versicherungen.
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